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(Reise)Alltag

Mutig

Sind wir mutig?

Diese Aussage bekommen wir ziemlich häufig zu hören. „Ihr seid aber mutig, dass ihr so lebt.“ Der Gesichtsausdruck dabei schwankt von Bewunderung über Erstaunen bis hin zu Abscheu. Denn natürlich ist in diesem Zusammenhang das Wort mutig nicht immer positiv gemeint.

Aber was ist Mut überhaupt? Es gibt verschiedenen Definitionen aus den unterschiedlichen Bereichen wie Rechtsphilosophie, Pädagogik, Psychologie… Zusammengefasst haben die Definitionen einen gemeinsamen Kern: Mut ist ein über der Norm liegender Einsatz zur Überwindung von Unabwägbarkeiten, Schwierigkeiten und Gefahren.

Mutig zu sein bedeutet dabei aber nicht, dass man keine Angst hat. Aber der Mutige überwindet die Furcht, weil er Vertrauen in seine Fähigkeiten hat.

Sind wir also mutig? Vielleicht, aber eher haben wir uns ein Leben erschaffen, so wie wir es leben wollen. Wir haben unsere Komfortzone verlassen, allen Unabwägbarkeiten zum Trotz. Für uns gibt so viel zu sehen, so viele Abenteuer zu erleben. Und natürlich stand für uns am Anfang eine große Unsicherheit. Es gab unendlich viele Fragen, de wir hatten, aber die uns keiner beantworten konnte. Wenn unsere Sorgen die Überhand gewinnen wollten, haben wir uns die Frage gestellt, was das schlimmste sein könnte, was uns passieren könnte. Bei keiner unserer Befürchtungen gab es keinen Ausweg mehr, nichts, was nicht irgendwie dann doch lösbar wäre.

„Ich könnte das nicht“

So geht die Unterhaltung über Mut in vielen Fällen weiter. Meist frage ich nach dem Warum. Es interessiert mich wirklich sehr und ist überhaupt . Die Standardantwort ist: ich muss arbeiten, Geld verdienen.

Das müssen wir auch. Weder Thomas noch ich sind in reiche Familien geboren worden, wir kommen beide aus klassischen Arbeiterfamilien aus dem Ruhrgebiet. Ich hätte vor Jahren auch nicht damit gerechnet, dass man als Urologin und als OP-Fachkraft auf Reisen arbeiten kann. Aber die Türen öffnen sich, wenn man sich aktiv umschaut. Wenn man mit anderen Reisenden spricht eröffnen sich manchmal Horizonte, über die man niemals nachgedacht hat, nicht nachdenken konnte, weil einem die Vielfalt an Möglichkeiten gar nicht bewußt war.
Mittlerweile gibt es eine Menge Familien, die ihren Reiseweg gefunden haben, die ihr Leben mobil finanzieren. Es ist immer wieder spannend zu sehen, was sich für Reisende für Möglichkeiten ergeben.

„Aber ich habe Familie, wir brauchen Platz…“

Ja, ich habe auch Familie und natürlich ist es nicht immer leicht auf unter 20 qm. Es gibt Arbeitstage, Regentage, schlechte Laune-Tage… Aber wir leben auf viel mehr als nur den 20 qm, wir sind fast den ganzen Tag draußen unterwegs. Unser Vorgarten ist die Welt da draußen. Unsere Nachbarn sind all die Menschen, die wir auf Reisen kennenlernen. Unsere Stadt sind eure Länder. Obwohl wir nur so wenig Platz haben, haben wir unendlich viel Raum.

„Ich werde das auch so machen, wenn ich in Rente bin“

Aber ist nicht genau diese Haltung mutig? Wer kann wissen, ob er mit Renteneintrittsalters noch fit genug ist, diese Art von Leben zu führen? Eine Garantie dafür gibt es nicht. Wir alle hoffen, dass wir mindestens 100 Jahre alt werden und dabei fit wie ein Zwanzigjähriger bleiben. Aber für viele trifft das eben nicht zu. Wir arbeiten mit unserem Leben daran, die Seele mit bunten Abenteuern zu füllen, um dann, wenn wir es nicht mehr können, uns daran zu erinnern, wie verrückt und frei wir damals waren. Und wir werden es keine Sekunde bereuen.

Also Reisen für alle?

Das Reiseleben ist nichts für jeden. Ganz sicher nicht. Reisen ist kein Urlaub, reisen ist auf seine ganz eigenen Art anstrengend. Nicht jeder kann und möchte seinen sicheren Hafen verlassen, und das ist absolut okay und verständlich.
Aber, wenn man diese Leben wirklich möchte, gibt es mehr Möglichkeiten als man glaubt, es umsetzen zu können. Und das hat nichts mit Mut zu tun, sondern mehr mit Handeln.

 

 

Goldie

Happy Fundtag - oder wie wir auf den Hund kamen, den wie nie wollten

Glaubt ihr an Zufälle? Ich bin mir nicht sicher, aber dass wir heute seit genau einem Jahr einen Hund haben, haben wir wirklich einigen Zufällen zu verdanken. Ich habe mal gehört, man findet keinen Streuner, ein Streuner findet einen. Und genauso war es auch bei uns.

Die Geschichte fängt einige Tage vorher an einer wunderschönen Bucht auf Sizilien in der Nähe von Licata im Süden der Insel an. Wir hatten einen tollen Parkplatz in einer App gefunden und er war auch in der Realität wirklich so schön, wie dort beschrieben. Glasklares, fast türkises Wasser, ein breiter, aber recht einsamer Strand, eingerahmt von kleinen Hügeln. Wirklich ein malerischer Ort. Hier parkten wir direkt am Strand und genossen das schon frühlingshafte Wetter. Allerdings konnten wir nicht lange bleiben, denn drei von vier Batterien waren auf einen Schlag nach der ersten Nacht kaputt. Wir konnten also nicht bleiben und suchten uns einen Campingplatz ganz in der Nähe, an den wir neuen Batterien liefern lassen konnten. Wir versprachen uns und dem Platz, dass wir wiederkommen würden. Wir hatten nämlich das Gefühl, dass wir noch nicht fertig mit diesem Ort waren. Kennt ihr das?

Nach drei Tagen auf dem kleinen Campingplatz kehrten wir mit neuen Batterien und vollem Kühlschrank zurück, bereit das gute Wetter weiter zu genießen. An dem Montag hatte ich einen mehrstündigen Workshop zu leiten, daher verbrachte ich den Tag im LKW. Unser Sohn spielte am Strand und Thomas machte sich mit dem neuen Equipment vertraut. Als Leandro vom Strand zurückkehrte, sah er etwas kleines, schmutziges unter dem LKW und stürmte hinein.

Thomas wagte einen ersten Blick und fand einen sehr schwachen, ausgemergelten und verlausten Welpen. Wenige Minuten später war mein Workshop zu Ende und ich sah Thomas auf unserer Treppe sitzen. Er drehte sich um und sagte: „Schau mal unter Schleppo.“ Ich konnte direkt am Gesichtsausdruck erkennen, dass es um ein Tier ging. Ich dachte aber, dass es schon tot sei. „Noch nicht.“ war Thomas‘ Antwort.

Wir lockten den armen Kerl unter dem LKW mit etwas eingeweichtem Toast vor. Er war so schlapp, dass er kaum laufen konnte. Mindestens 30, eher 40 riesige, vollgefutterte Zecken ragten aus seinen Ohren. Die Flöhe liefen ihm ohne Gegenwehr durchs Gesicht und über das ganze Fell. Ein Anblick, den man nicht mehr vergisst.

Wir hatten uns Tage vorher mit einem sizilianischem Pärchen angefreundet, die gerade jetzt auf den Parkplatz fuhren. Wir freuten uns, dachten wir, dass wir nun Hilfe bekämen. Aber die Antwort, die wir ab da häufiger hörten war: „Legt ihn zurück ins Gras, der stirbt eh.“

Aber das konnten und wollten wir nicht. Zuerst zogen wir ihm die Zecken aus den Ohren, eine nach dem anderen. Der Welpe war zu erschöpft um gegen diese Maßnahme zu protestieren. Wir räumten das Staufach leer und legten ihn dort auf einem alten Handtuch in eine Stoffkiste. Wir hatten einen Tierarzt in der Nähe gegoogelt, bei dem wir am nächsten Tag einen Termin bekamen. Vorher leider nicht. Wir hatten große Sorge, dass der kleine Hund die Nacht nicht übersteht. Aber irgendetwas hatte anscheinend seinen Lebensmut wieder geweckt.

Beim Tierarzt wurde er endlich behandelt, auch, wenn wir da wieder hörten, dass wir ihn lieber wieder zum Sterben an den Strand bringen sollten. Zum Glück hatten wir über eine befreundete Reisende einen Übersetzer und konnten intervenieren. Wir bekamen mehrere Medikamente und Flohmittel für die nächsten Tage mit. Um den kleinen Flohfänger aber versorgen zu können brauchten wir einen Campingplatz. Wieder spielte der Zufall uns in die Hände und wir fuhren zu Mamma Colette. (Falls ihr mal auf Sizilien seid, schaut unbedingt vorbei. Italienischer geht es nicht) Mamma Colette versorgte uns mit alten Handtüchern, jede Menge Hausmitteln, Decken und und und.

Nach und nach wurde der Hund kräftiger und bekam von unserem Sohn endlich einen Namen. Wie der Hund aus den Drei ??? Sollte er Goldie heißen. Der Name Kackmaschine oder kleiner Sizilianer ist aber fast geläufiger :-)

Als klar war, dass der kleine Sizilianer überleben würde wollten wir ihn auf jeden Fall nach Deutschland mitnehmen und ihn hier vermitteln. Aber als wir das mitteilten und um Chippung baten, fiel den Behörden auf, dass jeder Streuner sizilianisches Eigentum ist und wir ihn nicht nach Deutschland transportieren dürfen. Wir sollten ihn wieder aussetzen.

Wie ihr wisst haben wir mit einiger Hilfe und noch mehr Zufällen eine andere Lösung gefunden. Sollte euch auf Sizilien ein Streuner finden und ihr Hilfe brauchen, sagt gerne Bescheid.

Dass diese Gesichte nun schon ein Jahr her ist, ist manchmal kaum zu glauben. Mittlerweile ist der Sizilianer mitten in unserer Familie angekommen. Er bringt alles durcheinander, ist Quatschmacher und Seelentröster. Er bringt uns sehr viel Freude und noch mehr Arbeit. Aber hergeben möchten wir ihn nicht mehr. Sizilianer, schön, dass du uns gefunden hast.



 

leandro

Kranksein auf Reisen - Von der Reiseapotheke bis zur Langzeitversicherung

Auch, wenn man es sich am Strand unter der wärmenden Sonne am Meer oder bei dem fantastischen Sonnenaufgang in den Bergen nicht vorstellen kann, aber auch auf Reisen kann man krank werden. Umso sinnvoller ist es, sich vorab schon einmal Gedanken über diesen Fall zu machen.

Notfall-Liste
Kommt es zu einem (Lebens-)gefährlichen Unfall oder Erkrankung ist es wichtig keine Zeit zu verlieren. Daher ist es wichtig schon vorab die Telefonnummern von Rettungsdienst und/oder Feuerwehr zu kennen oder sich sogar gut sichtbar zu notieren. Auch, wenn es vielleicht albern oder unnötig klingt, aber unterschätzt nicht, wie irrational man manchmal in Streßsituationen handelt. Zeigt sie auch euren Kindern, damit auch sie im Notfall zu Lebensrettern werden können.
Seit 2009 erreicht ihr unter der Notrufnummern 112 in allen Mitgliedstaaten der EU sowie in Island, Norwegen und Liechtenstein eine Notrufzentrale. Der ADAC hat zum Beispiel gute Übersichten zu den Notrufnummern auch der Länder außerhalb der EU.

Besonders wenn man abseits der normalen Straßen steht ist es ratsam sich markante Punkte (Leuchtturm, Molen etc.) zu merken, um gegebenenfalls eine Wegbeschreibung mitteilen zu können.
Die Mitarbeiter der Leitstellen können in vielen Fällen (etwas) englisch. Gut ist es, auch kurze Informationen in Landessprache parat zu haben.

Reiseapotheke
Für die kleineren Wehwehchen haben wir eine Reiseapotheke an Bord. Wichtig ist hier regelmäßig gebrauchte Materialien zu ersetzen und auf die Verfalldaten der Medikamente und des Verbandsmaterial zu achten. Unsere Schleppo-Apotheke beinhaltet
⁃ Pflastermaterial und Steristrip
⁃ Verbandmaterial
⁃ Kühlpacks
⁃ Desinfektionsmittel
⁃ Medikamente gegen Übelkeit, Durchfall
⁃ Fiebersenkende Tabletten und Saft
⁃ Schmerzmedikamente
⁃ Fieberthermometer, Pinzette
⁃ Corona-Schnelltests
⁃ Schmerzlindernde und juckreizhemmende Salbe
⁃ (Wir haben noch Infusionen und ein Antibiotikum mit an Bord, aber das sollte medizinisch/ärztlichem Personal vorbehalten sein)

Bislang haben uns diese Mittel vollkommen ausgereicht. (*Dreimal auf Holz geklopft*)
Manchmal reicht es jedoch nicht und eine ärztliche Behandlung wird notwendig. Auch hierfür sollte man sich schon vor Beginn der Reise informieren, insbesondere dann, wenn man eine Langzeitreise unternehmen möchte.

Für jeden Reisenden, für jede Familie gelten andere Prioritäten und daher kann man keine generelle Empfehlung aussprechen. Manchmal ändern sich die Bedürfnisse auch noch während der Reise, also muss man versuchen so flexibel wie möglich zu bleiben.

Für uns waren die Informationen vor der Reise ziemlich unübersichtlich und es hat sehr lange gedauert bis wir alles notwendige wußten. Wir versuchen hier einen kleinen Überblick zu geben.

Die deutsche Krankenversicherung
Ist man in Deutschland gemeldet ist man automatisch Mitglied in einer deutschen Krankenversicherung und ist damit in allen europäischen Ländern über die Grüne Versicherungskarte krankenversichert. Dies bedeutet, dass man innerhalb der EU den gleichen Versicherungsschutz hat wie die Einheimischen. Es bedeutet nicht, dass alle Leistungen kostenlos sind, nur solche wie sie in dem EU-Land üblich sind.
Dieser Versicherungsschutz beinhaltet zum Beispiel keinen Rücktransport nach Deutschland, wenn man einen Unfall hatte oder schwerer erkrankt ist.
Zudem ist die Mitgliedschaft in einer deutschen Krankenkasse sehr teuer, da sie nach dem Einkommen berechnet wird. Hat man auf der Reise kein Einkommen zahlt man den Mindestbeitrag, meist um 170 - 200 Euro pro Monat pro Person. Noch teurer wird es, wenn man freiwillig gesetzlich versichert war, dann kann der Beitrag im Höchstfall 900 Euro pro Person betragen.
Für viele macht es daher vor allem wegen der Kosten Sinn nach Abschluss einer Langzeitreiseversicherung die gesetzliche Krankenkasse zu kündigen. Nach einer Rückkehr nach Deutschland kann man sich ganz einfach wieder bei der Wunschkrankenkasse melden und einen Antrag auf Wiederaufnahme stellen.

Auslandskrankenversicherungen
Diese sind eine zusätzliche Option zur deutschen Krankenkasse und decken wenige Wochen pro Jahr im Ausland ab. Sie sind eine gute Ergänzung, wenn man für Urlaube im Ausland ist. Eine Langzeitreise wird hierüber nicht abgedeckt. Die Kosten für eine solche Versicherung sind in den meisten Fällen sehr günstig, oft ca 30 Euro pro Jahr.

Langzeitreiseversicherung
Der Begriff wird auch von den Versicherungen nicht einheitlich verwendet, gemeint ist aber eine Krankenversicherung für Menschen, die längere Zeit im Ausland sind und nicht über ihren Arbeitgeber (als Expats) versichert sind. Gängige Versicherungen sind für 1 bis 5 Jahre abschließbar.
Jede Versicherung hat unterschiedliche Merkmale und es lohnt sich hier wirklich auch auf das Kleingedruckte zu achten.
Vor dem Versicherungsabschluss sollte man für sich folgende Punkte festlegen:
⁃ Länge der Reise, ist eine Verlängerung oder Verkürzung der Versicherung bei Änderung der Reisedaten möglich?
⁃ Geplante Länder; bei den meisten Versicherungen müssen Aufenthalte in Nordamerika (also USA und Kanada) extra angegeben werden
⁃ Urlaub in Deutschland; wie lange bin ich bei einem Heimaturlaub versichert?
⁃ Selbstbeteiligung und Versicherungsumfang; hier sollte man die genauen Konditionen anschauen: sind nur Notfallbehandlungen inkludiert oder auch Vorsorgeuntersuchungen? Wie hoch ist die Selbstbeteiligung und wie oft muss ich sie pro Jahr bezahlen?
⁃ Gültigkeit bei Reisewarnungen; seit Corona ist uns der Begriff Reisewarnung viel geläufiger als uns lieb ist, um so wichtiger ist es, sich über die Konditionen der jeweiligen Versicherung zu informieren. Bei einigen Versicherungen erlischt der Versicherungsschutz, wenn man in ein Land reist für das es eine Reisewarnung vom auswärtigen Amt gibt.
⁃ Meldeadresse; in einigen Fällen ist der Abschluss nur möglich, wenn man noch eine Meldeadresse in Deutschland vorweisen kann.

Die Preisspanne ist bei den Langzeitversicherungen sehr groß, je nach Leistungsumfang. Meistens bewegen sich die Kosten zwischen 50 und 800 Euro pro Monat pro Familie. In den letzten Jahren kam es zu mehreren Insolvenzen von Versicherungen, die Langzeitauslandskrankenversicherungen angeboten haben. Daher haben wir uns für eine monatliche Zahlweise entschieden. Der Beitrag ist im Vergleich zur Bezahlung des kompletten Jahresbeitrags zwar etwas höher, aber dafür könnte man im schlimmsten Falle die Zahlung bei Insolvenz sofort einstellen ohne einen Verlust zu haben.

Keine Krankenversicherung
Man ist nicht verpflichtet auf längeren Auslandsreisen eine Krankenversicherung abzuschließen. Ratsam ist es aber auf jeden Fall. Hat man keine Versicherung muss man alle entstehenden Kosten bei Krankheit oder Unfall privat übernehmen und das kann ganz schnell eine horrende Summe werden, selbst in Ländern, die geringe Lebenshaltungskosten haben. Daher raten wir dringend davon ab.

Abrechnung
Ist der Ernstfall eingetreten und ihr braucht eine ärztliche Konsultation läuft das in den meisten Fällen problemlos ab. Allerdings muss man häufig die Arztrechnung zunächst selbst begleichen und sie dann in einem zweiten Schritt an den Versicherer weitergeben. Dieser erstattet dann den Betrag.

Auch, wenn das ärztliche System auf der Welt gut ist, bleibt lieber gesund. Gute Reise!

 

 

muschel

Das Leben geht weiter, oder?

Heute scheint die Sonne strahlend vom Himmel, die ersten Frühlingsboten finden ihren Weg in das noch kalte Deutschland. Die Vögel zwitschern wieder fröhlich ihr Lied am Morgen, einige Blumen sprießen schon am Wegesrand. Und nach einem für viele Menschen langen und grauen Winter möchte man aufatmen, die frische Luft tief in die Lungen einsaugen. Frühling, eine Zeit, die für einen Neubeginn, einen Aufbruch steht und von vielen lange ersehnt wurde.

Und nur 1000 Kilometer weiter von dieser Frühlingsidylle ist ein grausamer Krieg ausgebrochen. Die Nachrichten und die sozialen Netzwerke sind voll von schrecklichen Bildern, von fliegenden Raketen und fliehenden Menschen, von ausgebrannten Fahrzeugen und zerstörten Gebäuden. Jeden Tag gibt es Meldungen von Verwundeten und Toten.

Diese Ambivalenz ist für mich schwer auszuhalten. Aber hier geht das Leben weiter, oder? Ja, es geht weiter, man hat gar keine Wahl. Die Welt dreht sich einfach weiter, ganz gleich wie schlimm die Ereignisse auch sein mögen. Und das ist nichts neues, es war schon immer so und es wird immer so bleiben.

Das erste Mal hatte ich dieses Gefühl von Ambivalenz beim Tod meines Opas und das Gefühl ist mir noch so präsent als wäre es gestern gewesen. Mein Opa ist in den frühen Morgenstunden in einem Krankenhaus verstorben. Nachdem ich mich von seinem Leichnam verabschiedet hatte trat ich aus der Tür der Klinik auf die Straße. Die Sonne ging langsam auf. Der Himmel war klar und die letzten Sterne flackerten noch sacht am Himmel. Viele Menschen hetzten an mir vorbei zur Arbeit, jemand hupte, weil der Vordermann nicht schnell genug losfuhr. Kinder gingen lachend Richtung Schule.

Ich konnte es nicht begreifen. Für mich war die Welt zusammen gebrochen, für alle anderen aber ging sie einfach weiter. Alltag eben. Es war surreal.

Aber vermutlich ist genau das das Leben, ein Aushalten von Ambivalenzen. In dem Moment, als ich Mutter wurde, wurde eine andere Frau zu einem verwaisten Elternteil. Als ich geheiratet habe, wurden andere geschieden. Und als ich geschieden wurde, haben sich andere unsterblich ineinander verliebt.

Und was bedeutet das jetzt in dem aktuellen Kontext? Können und dürfen wir noch reisen, Pläne schmieden und uns auf den Sommer freuen?
Ja, können wir und vielleicht müssen wir auch. Wir brauchen die Hoffnung, dass wir noch Pläne umsetzen können. Aber wir haben gleichzeitig auch eine Verantwortung. Wir müssen Verantwortung dafür tragen, dass wir uns einsetzen für diese Welt, für den Frieden (nicht nur in dem europäischen Konflikt, der uns so sehr bewusst gemacht hat, wie fragil Frieden und Demokratie ist). Wenn jeder nur einen kleinen Teil Verantwortung übernimmt ist ein großer Schritt getan. Lasst uns das zusammen schultern.
 

Essen

Update Konsumverzicht nach 14 Tagen

Die ersten zwei Wochen des neuen Jahres sind vergangen. Die ersten guten Vorsätze gehören bei vielen schon wieder der Vergangenheit an. Daher hier ein kleines Update zu meinem Vorsatz.

Ich habe mir für 2022 vorgenommen nichts für mich einzukaufen, also keine Kleidung, keine Schuhe, keine Deko, einfach nichts… Ich möchte komplett mit dem auskommen, was ich habe. Wie schon 2015 als ich das Experiment das erste Mal durchgeführt habe, fallen mir die ersten Tage recht schwer.

In den vergangenen zwei Wochen habe ich ein paar Schuhe, meine Winterjacke und einige alte T-Shirts entsorgen müssen. Bei jedem Stück hatte ich im Hinterkopf, dass ich mir dafür keinen Ersatz kaufen kann. Ich habe gedanklich durchgespielt, ob ich mir Joker zurecht legen soll, um mir doch etwas zu kaufen oder das ganze Experiment vielleicht verkürze? Aber nein, das wäre nur eine Verwässerung meines Vorsatzes. Außerdem bin ich ziemlich sicher, dass diese Gedanken direkt aus meinem Belohnungszentrum kommen, um mich zu überreden doch etwas zu kaufen. Aber dies ist nur einer der Faktoren, die den Anfang schwer gemacht haben.

Ich bin ein echter Werbungskäufer. Eine schön gestaltete Verpackung, der Hinweis, das etwas „neu“ ist oder auch andere Werbeversprechen wirken auf mich. Sofort.


Die Werbeindustrie könnte mich buchen und testen, wie schnell Kundschaft anspringt :-) Ich bin das perfekte Werbeopfer. Und weil ich das über mich und die Werbung weiß, nehme ich Werbung jetzt wieder überdeutlich wahr. Sonderangebote, neue Rabatte, rote Schilder… an allem gehe ich jetzt vorbei, wenn auch noch nicht mit Leichtigkeit.

Zum anderen sind meine Geräte noch voll mit personalisierten Werbung. Sehr verführerisch, dass egal, was ich im Internet mache mir direkt meine letzten Wünsche angezeigt werden - nur einen Mausklick entfernt.

Aber auch das war noch nicht meine größte Hürde, sondern die war der Straßenmarkt in La Linea vor Gibraltar. Das Wetter war toll, eine große Anzahl von Ständen aufgebaut mit tollen Schuhen, Klamotten, Accessoires… Entspannte Menschen, die gemütlich an den Ständen vorbei schlenderten, mit Tüten in der Hand und viele einzigartige handgearbeitete Stücke machten die Nicht-Einkaufstour nicht einfach. Aber ich bin tatsächlich standhaft geblieben. Aber es hat sich sehr nach „Verzicht“ angefühlt, wie bei einer Diät, wenn man an einem Regal voller Lieblings-Süßigkeiten vorbeigehen muss.

Bislang habe ich meinen Vorsatz nicht gebrochen und ich weiß aus Erfahrung, dass dieses Gefühl von Verzicht bald weicht und abgelöst wird durch ein anderes Gefühl, nämlich dem befriedigenden Wissen, dass keine neuen Schuhe, keine neue Tasche dieses Gefühl von „Genug“ vermitteln können. Das steckt nämlich in mir.

 

 

Zitrone

Neuer Vorsatz Konsumverzicht 2022

Im Januar sind Blogs, Artikel, Gespräche voll mit den guten Vorsätzen, die man für das nächste Jahr fassen möchte. Weniger Süßigkeiten, mehr Sport, weniger Alkohol, mehr Zeit für mich selbst sind wohl die Klassiker.

Ich habe früher auch gerne und viele neue Vorsätze formuliert und sie dann nach spätestens vier Wochen wieder gebrochen, oft sogar viel eher, denn der innere Schweinehund ist ziemlich groß, wenn das Wetter grau und regnerisch ist.

Dieses Jahr habe ich nur einen Vorsatz: ich möchte nichts kaufen (außer Lebensmittel und Geschenke für andere). Ein komplettes Jahr auf Konsum verzichten, geht das überhaupt?

Laut Statistiken soll ein westeuropäischer Durchschnittsmensch 10.000 Dinge besitzen. Davon sind wir nach unserem Umzug in den LKW weit entfernt, aber wir haben trotzdem einiges, was über Minimalismus hinausgeht. Insbesondere Kleidung haben wir mehr als genug.

Ich habe das Experiment 2015 schon einmal durchgezogen und obwohl ich in dem Jahr geheiratet habe, habe ich es geschafft. Das hat mich meinen Konsum damals ganz schön überdenken lassen.


Damals habe ich in den ersten vier bis sechs Wochen sehr das Gefühl von „Verzicht“ gehabt. Mein Belohnungszentrum im Gehirn hat mir vorgeworfen, dass ich ihm diese kleinen Belohnungen vorenthalte. Aber im Laufe des Jahres hat sich das Gefühl stark verändert. Ich hatte irgendwann nicht mehr das Gefühl, dass ich verzichte. Viel mehr entwickelte sich ein Gefühl von Leichtigkeit. Es machte mir gar nichts mehr aus an den Regalen mit Sonderangeboten vorbeizugehen. Bei den vielen Klamotten brauchte ich mich nicht mehr zwischen den drei tollen Shirts zu entscheiden. Ich fühlte mich frei. Hatte ich einen dringenden Wunsch schrieb ich ihn auf eine Wunschliste.
Am Anfang des Jahres schrieb ich noch viele Dinge auf die Liste. Aber je öfter ich darauf schaute, um so weniger wollte ich diese Dinge tatsächlich haben.

Das einzige, was am 01.01.2016 tatsächlich noch auf der Liste stand und ich dann auch gekauft habe war ein Paar besonderer Schuhe. Auf die hatte ich mich das ganze Jahr gefreut und habe sie heute immer noch.
Im Laufe der Zeit hat sich der „Alltags-Konsum“ jedoch wieder eingeschlichen. Hier mal ein T-Shirt, da mal ein paar Schuhe und dieser Hoodie, den man unbedingt braucht… Letztendlich habe ich alles und von allem mehr als genug, aber scheinbar suggeriere ich mir mittlerweile wieder selbst, dass ich noch mehr Materielles brauche.

Davon möchte ich wieder weg und jetzt ist der richtige Zeitpunkt meinen Konsum wieder zu überdenken. Ich werde bestimmt besonders zum Anfang viele Wünsche haben und mir sie dann wieder aufschreiben. Ich bin gespannt, was ich am 01.01.2023 tatsächlich noch auf meiner Wunschliste habe.